Projekt Brautkleid selbstgenäht: Das Kleid ist fertig

Unser großer Tag ist vorüber. Wir haben geheiratet und es war wahrhaftig der schönste Tag unseres Lebens. Die Sonne hat an diesem schönen Herbsttag mit uns um die Wette gestrahlt. Diese Dauergrinserei ist gar nicht so ohne, denn sie führt zu Muskelkater im Gesicht. Hattet ihr schon mal einen Muskelkater im Gesicht? 

Ich komme vom Thema ab. Reden wir über das Kleid. Nur zur Erinnerung. Den Schnitt für das Kleid habe ich in Anlehnung an eine Tunika selbst entworfen und das Oberteil ganz und gar selbst konstruiert. Was ich mir dabei gedacht habe, könnt ihr in den beiden Beiträgen „Projekt Brautkleid selbst genäht“ und „Projekt Brautkleid selbst genäht: Das Probekleid“ nachlesen. Ich hatte auch eine Liste mit Punkten erstellt, die ich beim Hochzeitskleid noch beachten wollte.

  • Eine Lösung finden, damit das Taillienband nicht verknittert.
  • Den Schulterbereich eventuell mit paar Perlenketten aufpeppen.
  • Darauf achten, dass die Falten im Rockteil schöner fallen.
  • Eventuell den Rockteil füttern, damit er nicht an der Strumpfhose klebt.
  • Noch ein kleines Überraschungsprojekt nähen.

Verwendet habe ich für meinen Traum aus Stoff einen nudefarbenen Unterstoff aus Satin und eine Glasperlen-besetzte elfenbeinfarbene Spitze mit Bogenabschluss. Um sich nicht mit herrumfliegenden, abgebrochenen Nähnadeln die Augen auszustechen, ist es ratsam, die Perlen an der Nahtzugabe – und sogar ein paar Zentimeter weiter in den Stoff – händisch abzutrennen. 

Ich habe auch beim Brautkleid wie beim Probekleid das Oberteil wieder verstürzt, so dass man keinerlei Nähte sieht und der Spitzenbogen den vorderen und rückwärtigen tiefen V-Ausschnitt umspielt. Damit nichts verrutscht habe ich die Spitze an der Bogenkante per Hand mit kleinen Heftstichen unsichtbar an die Kante des Ausschnitts genäht. 

Den Bereich unter der Brust – also eine etwas höhere Taillie – habe ich wie beim Probekleid frei von Spitze gelassen. Ich habe wieder versucht den Satinstoff mit einer Vlieseline-Einlage zu stärken und auch hier war das Taillienband nach den Nähen verknittert. Dieses Problem habe ich erst zum Ende hin gelöst. Vorerst wurde das Zwischenteil an das Oberteil genäht und daran dann der Rock, der aus einem Vorder und einem Rückteil jeweils aus Satin und aus Spitzenstoff bestand. Ich habe mich dazu entschlossen, die Falten am Rockteil nicht händisch zu legen sondern habe sie – wie beim Probekleid – wieder eingereiht. Dieses mal habe ich darauf geachtet, dass die Falten etwas gleichmäßiger fallen. Ein nahtverdecker Reißverschluss auf der Seite sorgt dafür, dass ich das Kleid problemlos betreten und verlassen kann. Das Füttern des Rockteils habe ich mir gespart. im Notfall werden eben keine Strümpfe getragen!

Prinzipiell wäre das Kleid hier schon fertig, wären da nicht noch diese Falten im Taillienbereich gewesen. Und zu allem Überfluss habe ich dem Kleid beim Versuch die Falten aus dem Satinband zu bügeln auch noch einen Brandfleck verpasst. Darum habe ich mich kurzum dafür entschieden etwas restlichen Satinstoff auf eine feste Schabrackeneinlage zu bügeln und eine Art Gürtel zu fertigen, der nicht zerknittern kann. Diesen habe an der oberen Kante des Taillienbereichs per Hand angenäht. Für den hinteren Teil habe ich zwei Bindebänder genäht, die ich ab der Seitennaht am vorderen Gürtelteil angenäht habe. 

Brautkleid sebstgenäht Brautkleid sebstgenäht Rückenansicht

Bis zur Hochzeit waren es noch gut drei Wochen und ich war glücklich mit meinem Werk. Bis ich mich zwei Tage vor der Hochzeit doch noch dazu entschlossen habe die Perlen an den Schultern anzubringen. Man hat ja sonst nichts zu tun zwei Tage vor der Hochzeit – nicht wahr?

Brautkleid sebstgenäht

Und weil ihr jetzt alle schon darauf brennt das Kleid als Ganzes zu sehen und nicht nur doofe Teilausschnitte, kommen gleich ein paar schöne Fotos. Alles in allem bin ich sehr zufrieden gewesen damit. Um ganz ehrlich zu sein, hätte ich es noch etwas enger nähen dürfen. Die Angst in den letzten Wochen vor der Hochzeit noch ein paar Kilo zuzunehmen war völlig unbegründet. 

Brautkleid sebstgenäht Brautkleid sebst genäht Seitenansicht Brautkleid sebst genäht Seitenansicht

Mein Dank geht an Herbert Roher von wildbild für die wunderschönen Fotos. 

Die vielleicht größte Herausforderung bei diesem Projekt war wohl unsere Katze Lea vom Kleid fernzuhalten, die es sich zur Aufgabe gemacht hat alle Perlen vom Spitzenstoff zu reißen. Selbst die Androhung, das Kleid mit einem schönen Pelzkragen in Lea-Optik zu verschönern zeigte keinerlei Reaktion bei dem kleinen Satansbraten. In zahlreichen erbitterten Schlachten konnte ich mein Werk aber schlussendlich erfolgreich verteidigen. Katze mit Brautkleid

Ich hoffe, die Nähbegeisterten unter euch konnten aus meinem Erfahrungsbericht etwas mitnehmen. Vielleicht konnte ich ja die ein oder andere zukünftige Braut dazu inspirieren auch selber zu Nadel und Faden zu greifen und dieses Abenteuer zu wagen. Oft habe ich gehört, dass eine Braut ihr Kleid nicht selber nähen darf, weil für jeden Stich eine Träne in der Ehe folgt. Ich gebe nicht viel auf solchen Aberglauben und bin mir sicher, dass lediglich die Wahl des Ehemannes mit der Anzahl der Tränen in Zusammenhang steht und nicht wer das Brautkleid geschneidert hat. 

Einen Tipp möchte ich aber trotzdem noch weitergeben. Ich habe immer darauf geachtet, dass ich mit Ruhe und viel Liebe ans Werk gehe weil ich das Kleid nicht mit negativen Emotionen in Verbindung bringen wollte. So viel Aberglaube muss sein.

Eure Miss Lumberjack

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