Zucker: Mein Kampf gegen das weisse Gift

Hallo, ich bin Miss Lumberjack und ich bin Schokoholikerin. Schon als Jugendliche habe ich mich spaßeshalber so bezeichnet. Damals konnte man noch überall lesen, dass so etwas wie Sucht nach Schokolade nicht existiert. Eine psychische Abhängigkeit wäre unter Umständen denkbar, jedoch sei Schokolade kein Suchtmittel im eigentlichen Sinne. Heute weiss man: Schokolade kann sehrwohl süchtig machen. Um ganz präzeise zu sein, ist es der enthaltene Zucker, der süchtig macht.

Ich möchte hier berichten wie sich die Zuckersucht und der Konsum von Zucker auf meine Ernährungsgewohnheiten und auf mein Leben auswirkt und wie ich dem weissen Teufelszeug den Kampf ansage. Den ersten Versuch habe ich schon hinter mir und ebenso den ersten Rückfall.

Wenn ich Leuten davon erzähle, dass ich Zucker – genauer gesagt industriell gefertigten Zucker – komplett streichen will, fragen mich die Meisten, warum ich nicht einfach weniger esse. Ganz einfach. Weil ich das nicht kann. Wie bei jeder anderen Sucht gibt es offenbar auch hier Abstufungen und ich bin ein Härtefall. Um nicht all zu viel zuzunehmen, habe ich früher oft einfach Malzeiten ausgelassen und statt dessen Schokolade oder Kekse gegessen. Es gab Zeiten, in denen habe ich keine einzige richtige Mahlzeit am Tag gegessen. Das wirkte sich natürlich auch auf mein Gewicht aus. Viel schlimmer waren aber die Effekte auf die Psyche. Meine Konzentrationsfähigkeit war komplett dahin, meine Laune unterirdisch, meine Kondition eine Katastrophe. Ich war ständig müde und lebte von einer Heisshungerattacke zur nächsten. Kurz nachdem ich letztes Jahr aufgehört hatte zu rauchen ging mein Gewicht kontinuierlich nach oben. Mit der Nikotin-Zucker-Liebeskummer-Diät hatte ich zuvor innerhalb kürzester Zeit 18 kg verloren.

Doch irgendwann geht der Liebeskummer vorbei, man kommt wieder zu Sinnen und möchte sein Leben wieder vernünftig gestalten. Der erste Schritt war also aufhören zu Rauchen und Sport. Ich versuchte mich halbwegs vernünftig zu ernähren und erklomm jedes Wochenende einen Berg. Trotzdem nahm ich jeden Tag noch eine Menge Zucker zu mir. Ich ärgerte mich über die Heisshungerattacken und das allabendliche „zum Kühlschrank gehn“. Dabei war es nicht nur Zuckerhaltiges, dass ich mir jeden Abend in die Figur schaufelte.

Ich war verzweifelt. Ich wusste einfach nicht wie ich diese Lust auf immer noch Irgendetwas abstellen sollte. Also fasste ich einen Beschluss. Keine Schokolade und keine Süssigkeiten mehr. Was blieb war der Zucker im Kaffee und die versteckten Zucker in diversen Lebensmitteln. Schlagartig fiel es mir viel leichter weniger zu essen. Meine Gedanken hörten auf, sich nur darum zu drehen was ich mir als nächstes in den Mund stecken soll. Meine Laune sank in dieser Zeit jedoch in den Keller. Meine miese Laune war noch schlimmer als beim Nikotinentzug. Ich war aggresiv, ausgelaugt und miesepetrig. Aber nach kurzer Zeit begann ich mich jeden Tag besser zu fühlen. Ich sah plötzlich, dass es wirklich der Zucker war, der mir das Leben so schwer gemacht hatte. Mit meinem neuen Lebensgefühl wollte ich nun mehr erreichen. Ich meldete mich bei einem Online-12-Wochen Fitness-Programm an. Hier wurde auch der letzte Rest Zucker gestrichen und auch Aszugsmehl kam nicht mehr auf den Speiseplan. Ich fühlte mich spitze. Fit, schlank, lebendig… bis der Urlaub kam. Danach fand ich nicht wieder den Einstieg in das Programm, und die gesunde Ernährung. Ständig kam irgendetwas dazwischen. Eine Essensrinladung, Geburtstage, lange Abende an der Uni oder einfach nur mein innerer Schweinehund.

Hier bin ich nun angelangt. Wieder dem süssen Gift verfallen. Keinen Tag gab es in den letzten Wochen an denen ich nicht ein Stückchen Schokolade, einen Keks, einen Becher Pudding oder Kaffee mit Zucker hatte. Und natürlich ist auch das Auszugsmehl wieder auf meinem Speiseplan zu finden. Mein Plan: Stufenweiser Entzug.

Schritt 1: Ab sofort keine Süßigkeiten mehr! Was schwer werden dürfte, weil ich morgen zum Herr-der-Ringe-Marathon Apfelkuchen backe. Na gut, dann eben ab übermorgen. Dann aber wirklich! Obst als Ersatzdroge ist erlaubt. Zum Frühstück gönne ich mir einen TL Honig oder Ahornsirup. Zuckerersatzstoffe (Kandisin im Kaffee oder Tee) verwende ich in dieser Phase auch noch. Ausserdem werde ich wieder Sport machen!

Schritt 2: Zuckerersatzstoffe weg lassen. Die einzige Süße kommt aus natürlichen Quellen wie Honig und Obst. Jedoch versuche ich diese Ersatzsüssigkeiten zu reduzieren.

Schritt 3: Auszugsmehle und wo möglich Weizenmehl streichen. Es wird wieder selbst Brot aus Dinkelvollkornmehl gebacken (Beitrag dazu ist in Arbeit) und Obst gibts nur am Morgen. Ich will wieder damit anfangen mir mein Mittagessen selber zuzubereiten und ins Büro mitzunehmen, anstatt jeden Tag im Restaurant zu essen. Das Vorkochen ist für mich jedoch eines der mühsamsten Angelegenheiten bei Ernährungsumstellung.

Das wichtigste ist nun, alles Zuckerhaltige aus dem Haus zu schaffen, wieder gesunde Alternativen auf Vorrat zu haben. Da ich ein ziemlicher Gemüsemuffel bin und auch Abends keine Lust mehr habe groß zu Kochen, bleiben nicht viele Alternativen. Doch wo ein Wille, da auch ein Weg.

2 Comments
  1. Antworten bekraenzt 26/10/2016 at 20:52

    In deiner Beschreibung der Zuckersucht habe ich mich sehr wiedergefunden. Ich habe mal fast ein Jahr lang den Zucker ganz weg gelassen, dadurch weniger (Heiss)Hunger gehabt und fast 30 kg abnehmen können.
    Seit sich der Zuckerkonsum langsam wieder eingeschlichen hat, komm ich kein Kilo mehr weiter runter, ich kann nur noch Gewicht halten und auch das ist eine Frage der Zeit…
    Immer wieder möchte ich den Süsskram wieder weg lassen, aber irgendwie schmeckts halt gar so gut!
    Ich finde, dass diese Abhängigkeit sowieso irgendwie subtil ist, oder?
    Naja, danke jedenfalls für deinen Text, schön dass ich drauf gestossen bin (über den MMM), ich mag diese Wachrüttler.
    Sonst meine ich mit der Zeit immer, dass ich mir die Zuckersucht nur einbilde und es sie gar nicht in echt gibt 😉
    LG

    • Antworten Miss Lumberjack 26/10/2016 at 21:43

      Danke für deine Worte. Ich kenne es nur zu gut, dass sich der Zucker ganz heimlich still und leise wieder einschleicht. Die „Ausnahmen“ werden immer häufiger und ehe man sichs versieht ist man wieder drin in der Sucht. Aber nur nicht aufgeben. Wer aufgibt, der hat schon verloren.
      Liebe Grüße <3

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